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Therapie & Stabilisierung
für traumatisierte Geflüchtete

Newsletter August 2025

Sehr geehrte Unterstützer*innen des PSZ, liebe Freund*innen,

wir freuen uns, dass Sie und Ihr auch in der Urlaubszeit in unseren Newsletter schaut. Unser Kollege Ihsan Yücel stellt in diesem Newsletter das Erleben queerer Klient*innen in den Fokus.

Außerdem stellen wir Euch und Ihnen zwei neue Kolleginnen vor.

Und machen Sie nochmal aufmerksam auf unseren spannenden Kongress, den wir gemeinsam mit dem DTPPPe.V. und dem LVR Klinikum (Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) durchführen: „Ohne Schuld und Scham? Auswirkungen politischer Sprache auf psychische Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“ (25.-27.9.25).
Viel Spaß beim Lesen!

„Bin ich falsch?“ – Queere Geflüchtete brauchen Schutzräume. Immer.
Der Pride-Monat Juni liegt hinter uns – doch Sichtbarkeit, Solidarität und Schutz queerer Menschen enden nicht am Monatsende. Im Gegenteil: Für viele queere Geflüchtete beginnt der Kampf um ein sicheres, selbstbestimmtes Leben jeden einzelnen Tag neu.

Die Idee zu diesem Beitrag entstand rund um den Pride-Monat. Denn gerade dort, wo Vielfalt gefeiert wird, möchten wir auf jene aufmerksam machen, die unsichtbar bleiben (müssen) – aus Angst, aus Schutz, aus Erfahrung.

Im Psychosozialen Zentrum begleiten wir viele Klient*innen, die nicht nur vor Krieg oder politischer Verfolgung geflohen sind, sondern auch, weil ihre queere Identität in ihrer Heimat mit Gefängnis, Folter oder Tod bedroht war. In unserer PSZ-Arbeit bieten wir – neben Psychotherapie –  Erstgespräche, Diagnostik, soziale und verfahrensrechtliche Beratung, Stabilisierung, ärztliche Einschätzung und Weitervermittlung, Kriseninterventionen und Stellungnahmen/Gutachten an.

Wir erleben in den vergangenen Jahren einen deutlichen Zuwachs an queeren Klientinnen: 2024 war unter den Indexklient*innen des PSZ nahezu jede 12. Person (8,4%) queer – ein deutliches Zeichen dafür, wie groß der Bedarf nach spezialisierter, sensibler Unterstützung für queere Geflüchtete ist. Ihre Stimmen wollen wir hier in den Vordergrund stellen:

Verstecken, fliehen, neu anfangen – aber wohin?

„Ich wurde von einer Terrororganisation mit dem Tod bedroht – weil ich schwul bin.“

– J., schwuler cis-Mann aus dem Libanon

„Irgendwann habe ich mich gefragt: Bin ich der Fehler?“

– N., schwuler cis-Mann aus Ghana

„Im Lager hat mir nach homofeindlichen Angriffen niemand geholfen. Die Antwort war: ‚So ist es halt.‘“

– A., schwuler cis-Mann aus der Türkei

Sichtbar werden, ohne Angst – warum Räume wie das PSZ so wichtig sind

„Im Flüchtlingslager hat man mir vieles nicht geglaubt. Aber dann war ich in einem Büro, und da hing eine Pride-Flagge. Das hat mich beruhigt. Es war das erste Mal, dass ich mich ein bisschen sicher fühlte.“

– A.

 „Die Mutter eines Freundes war mit uns dort – sie hat vor Stolz geweint. Das war das erste Mal, dass ich dachte: Vielleicht darf auch ich stolz auf mich sein.“

– N.

„Ich kann mit meinem Betreuer nicht so reden wie mit dir. / Als queerer Therapeut weißt du vielleicht besser was ich fühle, was ich durchmache.“

– S., schwuler cis-Mann aus Mauretanien

Pride ist politisch – auch in der psychosozialen Arbeit  
„Wir haben uns diesen schweren Weg nicht ausgesucht – niemand will 20 Tage auf dem Wasser sein. Ich musste ihn gehen, um zu überleben. Das ist vielleicht schwer zu verstehen, wenn der Aufenthalt immer sicher war.“

– S.

„Wir bringen Farbe. Ich will kein Geld – ich will einfach ein Leben: mit Partner, Arbeit und vielleicht einem Kind.“

– A.

„Stell dir vor, du fliehst vor Krieg und vor Homofeindlichkeit – und wirst dann hier wieder damit konfrontiert.“

– N.

Was wir brauchen – und was Sie tun können

Wir brauchen mehr Räume wie das PSZ. Für Empowerment statt Angst. Für Identität statt Scham. Für echte Heilung.

-> Wie Sie helfen können:
– durch Spenden, um unsere queersensible, psychosoziale Einzelberatung und psychotherapeutische Arbeit abzusichern
– durch Sichtbarkeit für unsere Arbeit – teilen Sie diesen Beitrag, sprechen Sie über unsere Themen, machen Sie queere Fluchtgeschichten sichtbar
– durch politisches Engagement für die Rechte queerer Geflüchteter – z. B. für sichere Unterbringung, Antidiskriminierungsarbeit und Schutzkonzepte in Einrichtungen

Zum Schluss: Worte von Klient*innen, die uns berühren  
„Ich würde nicht umkommen in meinem Heimatland – aber ich müsste die ganze Zeit verstecken, wer ich eigentlich bin.“

– L., lesbische cis-Frau aus Georgien

„Ich nehme viel aus dem PSZ mit: Die Gespräche und die Erfahrung von Respekt und Trost. Ich bin ein Mensch, der woanders als wertlos behandelt wurde und ohnmächtig war – hier werde ich als wichtig und gut behandelt. Draußen muss ich stark sein und mich kontrollieren, aber hier im PSZ kann ich Ich sein.“

– B., schwuler cis-Mann aus dem Iran

Vorstellung neuer Kolleginnen: 

Maxim Eiden aus dem Sozialteam (Verfahrensberatung)

Stundenumfang: 9,75 Stunden/Woche
Motivation für die Arbeit mit PSZ: Die bereichernde und vielschichtige interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Möglichkeit, jeden Tag etwas Neues lernen zu dürfen!
Erster Eindruck: ich wurde sehr herzlich aufgenommen und freue mich, Teil dieses Teams zu sein.
Damit erhole ich mich: Pilates, in der Sonne spazieren gehen und Eis essen.

Saija Kontio aus dem psychologischen Team  
Stundenumfang: 19,5/Woche
Motivation für Arbeit im PSZ: In meiner Theaterarbeit habe ich mich viel damit beschäftigt, dass auf der Bühne alles Bedeutung trägt und für etwas steht, jedes Symbol, jede Lichteinstellung und jedes Kostüm, jeder Mensch, der auf der Bühne erscheint. Aber auch das, was wir nicht sehen, hat Bedeutung. Und lange haben wir Menschen, die in ihrer Biografie bestimmte Erfahrungen gemacht haben, im Theater nicht gesehen und so bestimmte Lebensrealitäten und Erlebnisse ausgeblendet. Ich hatte lange das Gefühl, dass auch die (akademische) Psychologie und Psychotherapie vieles nicht sehen, indem in Deutschland die Zugänge zu psychotherapeutischer und medizinischer Versorgung für manche Menschen erschwert bis verhindert werden und viele Themen, Bedürfnisse und Herausforderungen von Menschen mit Rassismus- und Fluchterfahrungen gar nicht betrachtet werden. Doch im PSZ finden genau diese Menschen Zugang und Raum, ihre Erfahrungen mitzuteilen, gesehen und gehört zu werden und ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Ich freue mich sehr auf die Arbeit in diesem interdisziplinären Team, das eben jene ausgeblendeten Themen in den Blick nimmt, freue mich, von ihnen und den Klient*innen zu lernen und gemeinsam anders zu sehen.
Erster Eindruck: Die Atmosphäre hier im PSZ ist genauso, wie ich sie mir vorgestellt habe: warmherzig und Expertisen reich, engagiert und konkret, zugewandt und professionell.
Damit erhole ich mich: Ich erhole mich mit Kunst und Kultur, beim Austausch mit Freund*innen und Kolleg*innen und beim Spazieren.

DTPPP Kongress in Düsseldorf (25.-27.9.25)
Wir laden Sie herzlich zum 18. Kongress des DTPPP e. V. – dem Dachverband für transkulturelle Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum – ein, unter dem Titel:

„Ohne Schuld und Scham? – Auswirkungen politischer Sprache auf psychische Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“

🗓 25. bis 27. September 2025
📍 LVR-Klinikum Düsseldorf, Sozialzentrum

Wir wollen gemeinsam hinterfragen, wie politische Diskurse unsere Arbeit, unsere Patient*innen und unsere Gesellschaft prägen – und wie wir professionell, menschlich und solidarisch damit umgehen können.

Die Veranstaltung ist mit 17 Punkten von der Ärztekammer Nordrhein zertifiziert.

Sie erwarten:
– Spannende Impulse und Vorträge von Expert*innen aus Praxis, Forschung und Politik
– Praxisnahe Workshops & Supervision
– Interdisziplinärer Austausch in kollegialer Atmosphäre
– ein Rahmenprogramm mit Raum für Vernetzung

🔗 Jetzt anmelden:
https://yasminbarbara.wufoo.com/forms/z14b3dw10tg4kms/

Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt – wir empfehlen eine frühzeitige Anmeldung.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und den gemeinsamen Diskurs!

Wir schicken herzliche Grüße aus dem PSZ und hoffen, Sie und Ihr genießt den Sommer!

Ihr PSZ Düsseldorf