Aktuelles aus dem PSZ
Sehr geehrte Unterstützer*innen des PSZ, liebe Freund*innen,
dieser Newsletter erscheint unter dem Eindruck der schockierenden Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. An dieser Stelle senden wir eine solidarische Grußbotschaft an die Kolleg*innen des PSZ Sachsen-Anhalt mit seinen Standorten in Halle (Saale), Magdeburg und Stendal sowie an alle Menschen, die sich in Sachsen-Anhalt und anderswo gegen die rechtsextreme Bedrohungslage und für die Rechte von geflüchteten Menschen und Migrant*innen einsetzen. Wir sehen euch!
Wohnen als Voraussetzung für Stabilität: Erkenntnisse aus dem NaDiRa-Monitoring-Bericht von Serdest Demir
Für viele Menschen bedeutet Wohnen Sicherheit, Rückzug und ein Stück Normalität. Für zahlreiche unserer Klient*innen ist die Wohnsituation jedoch selbst eine Quelle dauerhafter Belastung. Für viele unserer traumatisierten Klient*innen verstärken enge, mangelhafte oder institutionell geprägte Wohnsettings, etwa Sammelunterkünfte oder ehemalige Kasernen, bestehende Symptome und wirken als Trigger. Aber auch nach dem Auszug aus Sammelunterkünften und dem Übergang in den freien Wohnungsmarkt bleiben viele systematische Herausforderungen bestehen.
Der aktuelle NaDiRa-Monitoringbericht (Nationaler Diskriminierungs-und Rassismusmonitor) mit Schwerpunkt Wohnen des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) macht sichtbar, wie stark sich Wohnkosten und Wohnverhältnisse auf rassistisch markierte Menschen auswirken.
Mehr als ein Drittel der rassistisch markierten Mieter*innen muss mindestens 40 Prozent des eigenen Einkommens für Wohnen aufbringen. Für viele bedeutet das einen permanenten finanziellen Druck. Entsprechend leben 36 Prozent unter ihnen nach Abzug der Wohnkosten sogar unterhalb der Armutsgrenze.
Hinzu kommen häufig belastende Wohnbedingungen. Über die Hälfte der von Rassismus betroffenen Mieter*innen berichtet von Mängeln wie Schimmel, schlechter Isolierung, Sanierungsbedarf oder beengtem Wohnraum. Diese Belastungen wirken sich unmittelbar auf die psychische Gesundheit aus: „Wer mit der eigenen Wohnsituation unzufrieden ist, zeigt eine um 20 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, unter moderaten bis starken psychischen Stresssymptomen zu leiden, als diejenigen, die damit zufrieden sind.“ Der Bericht analysiert Ausschlüsse und Ungleichheiten entlang des gesamten Wohnprozesses: beim Zugang zum Wohnungsmarkt, in der Wohnsituation und im Wohnumfeld: „Die Befunde machen deutlich, dass rassistisch markierte Gruppen systematisch benachteiligt werden und dass diese Benachteiligungen tief in gesellschaftliche Strukturen eingebettet sind“ (https://www.dezim-institut.de/publikationen/gewohnt-ungleich-rassismus-und-wohnverhaeltnisse/, Abruf 15.09.2026) und er unterstreicht, wie wesentlich bezahlbarer und angemessener Wohnraum für psychische Stabilisierung und Gesundheit sind. Gerade in Düsseldorf und in besonderer Weise für geflüchtete Menschen ein wichtiges Thema!
Quelle: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM): NaDiRa-Monitoringbericht mit Schwerpunkt Wohnen. Gewohnt ungleich. Rassismus und Wohnverhältnisse. Berlin, 8. Dezember 2025.
https://www.rassismusmonitor.de/fileadmin/user_upload/NaDiRa/Publikationen/Wohnenbericht/Nadira_Wohnbericht.pdf
Zu unserem Film- und Gesprächsabend am 2. Oktober möchten wir Sie und Euch ganz herzlich einladen:
„(Un)gehörte Geschichten – Flucht. Ankommen. Kurdischsein.“ mit einem Grußwort von Berivan Aymaz und einem Redebeitrag von Prof. Cinur Ghaderi
Die kurdischen Perspektiven, die uns im PSZ regelmäßig begegnen, möchten wir mit diesem Abend sichtbarer machen: Ein 12-jähriger Junge, Hauptfigur des Films „Deine Schönheit ist nichts wert“ (Hüseyin Tabak), stellt sich den Herausforderungen seiner ersten Liebe, des Asylverfahrens in Europa und den kurdischen Lebensrealitäten seiner Familie. In einem anschließenden Panel werfen Expert*innen Schlaglichter auf die Vielfalt kurdischer Perspektiven, die Herausforderungen für geflüchtete Kinder und ihre Familien, auf Aspekte von Identität, Diskriminierung und Zugehörigkeit.
Freuen Sie sich auf ein Grußwort von Berivan Aymaz und die Teilnahme am Expert*innenpanel u.a. von Prof. Cinur Ghaderi.
Ihre Fragen und Diskussionsbeiträge sind willkommen. Zudem laden wir Sie herzlich ein, den Abend gemütlich mit Fingerfood und Getränken ausklingen zu lassen.
Wann: 02.10.2026, 17 Uhr
Wo: Haus der Kulturen (Yorckstraße 19-23, 40476 Düsseldorf)
Der Eintritt ist frei, Plätze sind begrenzt
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/695955790
Weitere Veranstaltungshinweise für September und Oktober 2026
Für alle Veranstaltungen sind verbindliche Anmeldungen erforderlich.
Neuer Termin: „Trauma und Traumafolgestörungen“ für Peer-Pat*innen
Termin: Mittwoch, 23.09.2026 von 13:30 bis 16:00 Uhr
Ort: Gruppenraum des PSZ Düsseldorf, 3. Etage
Leitung: Atia Najibullah, Victoria Schäfer
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/203355802
Online-Intervisionsgruppe „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie mit Geflüchteten“
Angebot für KJP und therapeutisch mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen arbeitende Kolleg*innen – im PSZ, ambulant oder in der Klinik
Termin: Montag, 28.09.2026 von 10:00 bis 13:00 Uhr
Ort: per Zoom (Link wird mit erfolgter Anmeldung gesendet)
Moderation: Oylum Bayar
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/kjp-intervision280926
Grundlagenschulung: Sprachmittlung im Psychosozialen Kontext von Beratung, Stabilisierung und Therapie
Offenes Angebot für Sprachmittler*innen in der Beratung und Therapie von Geflüchteten
Termin: Mittwoch, 30.09.2026 von 13:30 bis 16:00 Uhr
Ort: PSZ Düsseldorf, Gruppenraum 3. Etage
Referentinnen: Subanki Inthirabalan und Defne Erdogan
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/575136352
Traumasensibler Umgang in der ambulanten Hilfe zur Erziehung
Wie können Fachkräfte traumabezogene Symptome erkennen und angemessen darauf reagieren? Wie gestaltet sich ein traumasensibler Umgang im professionellen Kontext?
Datum: Donnerstag, 01.10.2026 von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr
Ort: PSZ Düsseldorf, Gruppenraum 3. Etage
Referentin: Dr. h c. Esther Mujawayo-Kleiner, Soziologin M.Sc. Traumatherapeutin
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/traumasensibel_011026
“Trauma-Basis-Schulung“ – Umgang mit traumatisierten Geflüchteten
Offenes Angebot für Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit
Viele geflüchtete Menschen sind aufgrund von Krieg, Gewalt und Lebensgefahr in den Herkunftsländern und auf der Flucht traumatisiert. Was bedeutet das für die Fachkräfte und ehrenamtlichen Unterstützer*innen? Diese Fortbildung vermittelt Grundkenntnisse zu folgenden Fragen: Was ist ein Trauma, wie entsteht es, wie wirkt es sich aus? Was sind typische Symptome? Woran kann ich erkennen, ob ein Mensch, mit dem ich arbeite, traumatisiert sein könnte? Wie kann ich mich sinnvoll verhalten und was sollte ich vermeiden? Anhand traumapädagogischer Empfehlungen wird gemeinsam reflektiert, wie verschiedene Berufsgruppen in ihrer Tätigkeit stabilisierend und ressourcenorientiert wirken können. Abschließend geht es um den Schutz vor eigenen Belastungen.
Termin: Montag, 05.10.2026 von 14:00 bis 18:00 Uhr
Ort: PSZ Düsseldorf, Gruppenraum 3. Etage
Referentin: Dr. Dima Zito
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/trauma-basis-schulung051026
Qualitätszirkel zur Versorgung von Überlebenden von Folter und Gewalt
Intervision und fachlicher Austausch bezüglich Sachverhaltsaufklärung (d.h. vertieften Anamnese der Gewalterfahrung, Stellungnahmen, Gutachten etc.) sowie bezüglich Behandlungsangeboten für Geflüchtete, die Folter und schwere Gewalt erlebt haben. Wir freuen uns, wenn Sie und Ihr eigene Fragen einbringt, gerne nutzen wir die Zeit auch für ausführliche Intervisionen von Stellungnahmen oder Gutachten; gleichermaßen sind auch kürzere Fallbesprechungen zu spezifischen Fragen von Klient*innen mit Folter- und Gewalterfahrungen, z.B. zu Notwendigkeit einer Begutachtung körperlicher Folterspuren, zum Anamnesegespräch etc. willkommen. Das Angebot richtet sich an Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen, die in Kliniken, Praxen und Psychosozialen Zentren mit psychisch kranken Geflüchteten arbeiten.
Der Qualitätszirkel wird in 2026 gemeinsam angeboten von Dott.ssa Camilla Ulivi, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Refugio München und Eva van Keuk, Psychologische Psychotherapeutin und Vorständin des PSZ Düsseldorf. Beide sind Mitglieder der AG SBPM – Standards zur Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren, siehe auch www.sbpm.de. Die Bayrischen Psychotherapeutenkammer hat unseren Qualitätszirkel mit zwei Punkten pro Termin akkreditiert.
Termin: Montag, 19.10.2026 von 11:00 bis 12:30 Uhr
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/qualitaetszirkel_1910
Montag, 12. Oktober, 15.00 – 18.00 Uhr im Atrium
Selbstfürsorge und Schutz vor eigenen Belastungen –
ein Workshop für Ehrenamtliche in der Arbeit mit Geflüchteten mit Dr. Dima Zito
Wer sich für geflüchtete Menschen engagiert, kann zu einer wichtigen Bezugsperson für Menschen in einer belastenden und herausfordernden Lebensphase werden. Viele Geflüchtete haben Krieg und Gewalt erlebt, viele sind traumatisiert, fast alle sind belastet – nicht nur durch vergangene Erfahrungen, sondern auch durch aktuelle Lebensbedingungen und anhaltende Unsicherheiten.
Vielleicht erleben Sie Ihr Engagement als bereichernd und sinnvoll – und merken gleichzeitig, dass manche Begegnungen, Geschichten oder Situationen Sie besonders beschäftigen und belasten. Gerade wenn man Menschen gerne unterstützen möchte und ihnen mit Offenheit und Mitgefühl begegnet, kann es manchmal schwer sein, die eigenen Grenzen im Blick zu behalten. Unter zunehmend erschwerten Bedingungen kann daraus Mitgefühlsstress und -erschöpfung oder auch eine sekundäre Traumatisierung entstehen.
Es kann entlasten, die Dynamiken solcher Belastungsreaktionen zu kennen und frühzeitig wahrzunehmen, was einem selbst guttut und wo es Zeit ist, gegenzusteuern. Dabei geht es auch darum, einen guten Umgang mit Nähe und Abgrenzung zu finden und die eigenen Möglichkeiten und Grenzen im Engagement zu kennen. Funktionierende und alltagstaugliche Selbstschutz- und Entlastungsstrategien helfen dabei, längerfristig engagiert zu bleiben, ohne dabei selbst aus dem Blick zu geraten.
Dieser Workshop lädt dazu ein, innezuhalten, eigene Erfahrungen zu reflektieren und sich mit anderen Ehrenamtlichen auszutauschen. Sie erhalten Informationen sowie konkrete Anregungen und Übungen, die sich gut in den eigenen Alltag integrieren lassen – für mehr Selbstfürsorge, Entlastung und einen resilienten Umgang mit den Herausforderungen des Ehrenamts. Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Psychosozialen Zentrum für Geflüchtete Düsseldorf e. V. und dem Kommunalen Integrationszentrum Düsseldorf des Amtes für Migration und Integration im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit statt.
Ort: Atrium, Bertha-von-Suttner-Platz 1-3 (Eingang Heinz-Schmöle-Straße), 40227 Düsseldorf
Referentin: Dr. phil. Dima Zito, Systemische Therapeutin (DGSF), Supervisorin (SG) und Traumatherapeutin, Mitarbeiterin im PSZ Düsseldorf e.V.
Herzliche Grüße aus dem PSZ







