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Therapie & Stabilisierung
für traumatisierte Geflüchtete

Newsletter Juli 2026

Sehr geehrte Unterstützer*innen des PSZ, liebe Freund*innen,

der Juni war Pride-Monat. Weltweit gab es hierzu Veranstaltungen und für einen kurzen Zeitraum wurde das Thema überall sichtbar. Im Pride-Monat wird an Kämpfe für die Rechte, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung von LSBTIQ+ Personen erinnert. Pride steht für Stolz, Würde und das Recht, ohne Angst verschieden sein zu dürfen. 

Für queere Geflüchtete ist Sichtbarkeit jedoch häufig ambivalent. Wer aufgrund sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität oder Zuschreibungen Gewalt, Ausgrenzung oder Verfolgung erlebt hat, hat oft gelernt, sich zu schützen, indem er*sie unsichtbar bleibt. Dieses Verbergen kann über Jahre eine überlebenswichtige Strategie gewesen sein — in der Herkunftsfamilie, im sozialen Umfeld, gegenüber staatlichen Institutionen oder innerhalb der eigenen Community.

Gerade deshalb ist es problematisch, wenn queere Geflüchtete später unter Druck geraten, ihre Identität eindeutig, widerspruchsfrei und „glaubhaft“ darstellen zu müssen. Scham, Angst, traumatische Erfahrungen, fehlende Worte oder die Gewohnheit, über bestimmte Themen nicht sprechen zu dürfen, können es schwer machen, die eigene Geschichte offen zu erzählen. Wer lange gelernt hat, sich zu verstecken, kann nicht plötzlich auf Knopfdruck sichtbar sein.

Auch die Erwartung, die an manchen asylrechtlichen Entscheidungen sichtbar wird, man könne im Herkunftsland schon sicher leben, wenn man sich nur „zurückhält“, verkennt die Lebensrealität vieler Betroffener. Dauerhafte Unsichtbarkeit ist keine Freiheit. Sie bedeutet, zentrale Teile der eigenen Identität ständig kontrollieren, verleugnen oder verstecken zu müssen. Das kann psychisch erheblich belasten und bestehende Traumafolgen verstärken.

Aus intersektionaler Perspektive wird deutlich: Queere Geflüchtete erleben nicht einfach einzelne, voneinander getrennte Belastungen. Fluchterfahrung, Rassismus, Queerfeindlichkeit, unsicherer Aufenthaltsstatus, Abhängigkeit von Behörden, Sprachbarrieren und gewaltvolle Erfahrungen in Unterkünften oder Communities können sich gegenseitig verstärken. Schutz bedeutet deshalb mehr als die Abwesenheit akuter Gewalt. Schutz bedeutet auch Zugang zu sicheren Räumen, sensibler Beratung, verlässlicher Sprachmittlung, medizinischer und psychotherapeutischer Versorgung sowie zu Netzwerken, in denen Menschen nicht erklären oder beweisen müssen, wer sie sind.

Im PSZ erleben wir immer wieder, wie wichtig solche Räume sind: Räume, in denen nicht über Identität geurteilt wird; Räume, in denen Scham, Angst und Ambivalenz Platz haben; Räume, in denen Menschen ihre Geschichte im eigenen Tempo erzählen können. Pride erinnert uns deshalb nicht nur an Sichtbarkeit, sondern auch an die Verantwortung, Bedingungen zu schaffen, unter denen Sichtbarkeit überhaupt sicher möglich wird.

Denn Pride bedeutet nicht, dass alle immer sichtbar sein müssen. Pride bedeutet, dass niemand gezwungen sein sollte, unsichtbar zu bleiben. Und daher ist auch nach dem 30. Juni für uns weiterhin „Pride-Monat“.


Veranstaltungshinweise für Juli und August 2026
Für alle Veranstaltungen sind verbindliche Anmeldungen erforderlich. 

Mi 22.07.2026 – 13:00 – 15:00 Uhr
Unsicherer Aufenthalt in sicheren Worten – Rechtssprache in Stresssituationen
Ort: Gruppenraum des PSZ, 3. Etage
Moderation: Miguel Temprano, Subanki Inthirbalan, Defne Erdogan
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/323461198

Do 06.08.2026 – 16:00 – 18:00 Uhr
Schweigepflicht, Datenschutz und Ausnahmen im Rahmen des Kinderschutzes für Peer-Pat*innen oder Ehrenamt
Ort: per Zoom (Link wird nach der Anmeldung rechtzeitig zugesandt)
Leitung: Monika König, Bitta Farzin
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/748608967

Mi 19.08.2026 – 10:00 – 12:00 Uhr
Schutzkonzept und Verhaltenskodex für Peer-Pat*innen
Ort: Gruppenraum des PSZ, 3. Etage
Moderation: Mona Hassan-Wirth, Atia Najibullah
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/276488780

Do 20.08.2026 – 14:00 – 15:30 Uhr und 15.30 – 17 Uhr
Gruppensupervision und Sommerfest für Sprachmittler*innen
Gruppensupervision (14:00-15:30 Uhr):
Ort: Gruppenraum des PSZ, 3. Etage
Moderation: Subanki Inthirbalan, Defne Erdogan
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/603315718
Sommerfest (15:30 – 17 Uhr):
Im Anschluss an die Supervision gehen wir gemeinsam zum Rhein.

Veranstaltung auf Arabisch
Do. 27.08.2026 – 17:00 – 19:00 Uhr
Schlafstörungen und ihre Auswirkung auf Körper und Psyche
Ort: per Zoom (Link wird nach Anmeldung rechtzeitig zugesandt)
Referentin: Dr. (Ain Shams Univ. Cairo) Heba Khattab
Bitte anmelden unter: https://eveeno.com/312467991

Herzliche Grüße aus dem PSZ Düsseldorf