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Therapie & Stabilisierung
für traumatisierte Geflüchtete

Newsletter September 2025

Sehr geehrte Unterstützer*innen des PSZ, liebe Freund*innen,

während der Herbst sich nähert blicken wir zurück auf den Spätsommer und den Frühherbst vor zehn Jahren – den Sommer der Solidarität gegenüber Geflüchteten: Unsere Verfahrens- und Sozialberaterin Inken Vollmering schaut auf das Jahr 2015 und berichtet von der Entwicklung der Einstellung gegenüber Geflüchteten.

Außerdem möchten wir Sie und Euch noch einmal ganz herzlich zu dem Kongress „Ohne Schuld und Scham? Auswirkungen politischer Sprache auf psychische Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“ (25.-27.9.25) einladen, den wir gemeinsam mit dem DTPPP e.V. und dem LVR Klinikum (Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) veranstalten. Zusätzlich warten viele andere spannende Veranstaltungen auf Sie und Euch. Wir wünschen Ihnen und Euch viel Spaß beim Lesen.

Der Sommer der Solidarität – zehn Jahre später
Es ist beinahe nicht zu glauben, dass es gerade einmal zehn Jahre her ist: Im Sommer und Frühherbst 2015 strömten an den Bahnhöfen in Wien, München oder Köln tausende Freiwillige zusammen, um neuankommende Geflüchtete willkommen zu heißen, sie mit dem Nötigsten zu versorgen, für sie zu dolmetschen und Hilfe zu organisieren. Wer die Asyl- und Flüchtlingspolitik über die Jahrzehnte hinweg betrachtete, konnte nur staunen: Deutschland war in gewisser Weise „außer sich“ – es war ein Ausnahmesommer der Solidarität und Mitmenschlichkeit.

Nicht wenige Menschen in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden investierten ihren Sommerurlaub, um ehrenamtlich in Notunterkünften zu helfen. Spätere Umfragen zeigten, dass in Deutschland zu dieser Zeit an die zehn Prozent in der einen oder anderen Weise aktiv Flüchtlingshilfe leisteten: Indem sie spendeten, mehrsprachige Handy-Apps entwickelten, ehrenamtliche Sprachcafés eröffneten, Paten*innenschaften für ganze Familien übernahmen oder Kleidersammelstellen organisierten. Sogar die Bildzeitung titelte Anfang September 2025: „Refugees welcome! Warum wir uns auf euch freuen.“

Die neu Ankommenden waren erschöpft; viele waren gerade erst dem syrischen Bürgerkrieg entflohen und manche hatten Hunderte Kilometer zu Fuß quer durch Europa hinter sich gebracht. Bei aller Erschöpfung, allen Gewalterfahrungen, dem Verlust alles Vertrauten und aller Unsicherheit in der neuen Umgebung tat die Solidarität denen, die sie erfuhren, sehr gut. Tarek Alaows, heute Sprecher von pro asyl, war seinerzeit einer dieser Neuankömmlinge; er erinnert sich jetzt, zehn Jahre danach:

Es war schön! Ich kam nach der Erstaufnahme in eine Turnhalle in Bochum. Es gab Yoga, Deutschkurse, Sinnvolles und Sinnloses, aus guten und manchmal auch etwas zwiespältigen Motiven. Trotzdem: Alle waren von einer persönlichen Motivation angetrieben, zu helfen. Und die daraus entstandenen ersten Begegnungen waren extrem wichtig. Die Menschen hatten durchaus Ängste, aber sie haben sie über die Begegnung abgebaut. Es ist Vertrauen gewachsen. Viele Menschen von damals wurden Freunde.“ 

Tatsächlich entstanden in dieser Zeit zahlreiche Initiativen, Netzwerke und Verbindungen, die zum Teil bis heute bestehen. Was leider nicht gelang: Diese Strukturen in eine gesellschaftliche Kraft zu transformieren, die in der Lage gewesen wäre, den anschließenden Gegenbewegungen langfristig eine neue Kultur der Empathie und der Solidarität entgegenzusetzen. Denn die auf 2015 folgenden Jahre waren geprägt durch ein Erstarken rechtsextremer Parteien in vielen Ländern der EU und einer diskursiven Verschiebung – es ging nun nicht mehr um „Schutzsuchende“, sondern um „irreguläre Immigration“. Schnell dominierte ein Framing des „Kontrollverlusts“, der sich ereignet habe, und dass sich „2015 nicht wiederholen“ dürfe. Wir erlebten zunehmend einen medialen Imperativ, dass „die Flüchtlingszahlen runtergehen müssen“. Auf allen staatlichen und supranationalen Ebenen wurde an Gesetzesverschärfungen gearbeitet, Migrationsabkommen mit Drittstaaten vorrangig mit dem Ziel der Reduzierung sog. „illegaler Einwanderung“ abgeschlossen, Zäune und Mauern wurden gebaut und Milliarden wurden in die Grenzüberwachung investiert.

Die Folgen dieser Richtungsentscheidung erleben viele unserer PSZ-Klient*innen ganz unmittelbar.
Nicht selten erleben wir in der letzten Jahren geflüchtete Klient*innen mit schweren Gewalterfahrungen, die sie nicht nur in ihren Herkunftsländern, sondern auch während ihrer Fluchtrouten in EU-Staaten gemacht haben (siehe auch Newsletter September 2023).

Weil es der EU nie gelungen war, verbindliche Mindeststandards für eine menschenwürdige Aufnahme von Geflüchteten nicht nur in Richtlinien festzuschreiben, sondern auch effektiv umzusetzen, setzte ein zunehmendes „race to the bottom“ ein – eine Erosion der Aufnahmebedingungen in den EU-Mitgliedstaaten, Hand in Hand mit dem Ausbau der Grenzkontrollen und der Einrichtung von geschlossenen Erstaufnahmelagern an der EU-Grenze. Anstatt das Scheitern an eigenen, menschenrechtlichen Ansprüchen wirklich zu bearbeiten und das dysfunktionale Dublin-System zu reformieren, entschied sich die EU im April 2024, es durch eine Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) weiter zu zementieren und den Zugang fliehender Menschen zu internationalem Schutz noch mehr zu erschweren.

Diese Tendenz durchzieht mittlerweile weite Teile des gesellschaftlichen und des politischen Spektrums auch in Deutschland; inzwischen wird offen davon geredet, dass die Grundlagen des Flüchtlingsschutzes – die Genfer Flüchtlingskonvention und EU-Recht – nicht mehr zeitgemäß seien.

Als PSZ versuchen wir auch weiterhin ein Ort zu sein, an dem geflüchtete Menschen mit psychischen Belastungen sich willkommen geheißen fühlen. An dem sie gesehen und unterstützt werden: mit ihren gewaltvollen Erfahrungen, ihrem Verlust, und vor allem mit ihren zahlreichen Fähigkeiten. Und an dem wir froh sind, wenn es ihnen schließlich gelingt, Schutz und Sicherheit zu finden und einen Ort zu haben, an dem sie bleiben können und wollen – um sich und ihren Familien eine Zukunft in Sicherheit, in Würde und mit der Perspektive auf Gesundung aufbauen zu können.

Veranstaltungshinweise für September und Oktober 2025
Für alle Veranstaltungen sind verbindliche Anmeldungen erforderlich. 

Am Mittwoch, den 24.09.2025 von 10:00 – 13:00 Uhr „Suizidprävention bei Jugendlichen“ mit Eva Kaznelson (M.Sc.Psychologin, Fachpsychologin für Rechtspsychologie BDP/DGPs i.W.). Das Angebot richtet sich an Fachkräfte der Ambulanten Hilfen zur Erziehung (SGB VIII). Die Veranstaltung findet im Gruppenraum des PSZs in der 3.Etage statt.

Anmeldung unter:
https://eveeno.com/suizidpraevention_jugendliche_24092025

Am 25. – 27.9.2025 laden wir Sie und Euch herzlich zum 18. Kongress des DTPPP e. V. – dem Dachverband für transkulturelle Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum – ein, unter dem Titel: „Ohne Schuld und Scham? – Auswirkungen politischer Sprache auf psychische Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Die Veranstaltung findet im LVR-Klinikum Düsseldorf, im Sozialzentrum statt. Wir wollen gemeinsam hinterfragen, wie politische Diskurse unsere Arbeit, unsere Patient*innen und unsere Gesellschaft prägen – und wie wir professionell, menschlich und solidarisch damit umgehen können. Die Veranstaltung ist mit 17 Punkten von der Ärztekammer Nordrhein zertifiziert. Sie erwarten:

  • Spannende Impulse und Vorträge von Expert*innen aus Praxis, Forschung und Politik
  • Praxisnahe Workshops & Supervision
  • Interdisziplinärer Austausch in kollegialer Atmosphäre
  • ein Rahmenprogramm mit Raum für Vernetzung

Anmeldung unter:
https://yasminbarbara.wufoo.com/forms/z14b3dw10tg4kms/

Am Montag, den 29.09.2025 von 15:00 – 17:00 Uhr „Gruppensupervision für Fachkräfte“ mit Dr. phil. Dima Zito. Das Angebot richtet sich an Fachkräfte der Ambulanten Hilfen zur Erziehung (SGB VIII). Die Veranstaltung findet im Gruppenraum des PSZs in der 3.Etage statt.
Anmeldung unter: fortbildung@psz-duesseldorf.de

Wir freuen uns Sie und Euch auf den Veranstaltungen zu sehen!

Herzliche Grüße aus dem PSZ Düsseldorf